Dr. Wolfgang Kessler

Eine Selbstbeschreibung unseres Referenten:

»Wolfgang Kessler ist Ökonom und Schwabe«, schrieb Franz Alt in einer Rezension meines neuesten Buches. Und in der Tat: Ich lernte als typisches Kind der fünfziger Jahre (geboren 1953) im relativ armen Oberschwaben schon früh den Umgang mit knappen Mitteln kennen – er war in einer Kleinunternehmerfamilie wie der unsrigen einfach überlebensnotwendig. Auf dieser Qualifikation lässt sich natürlich als Ökonom, aber auch als Ökologe, als der ich mich auch fühle, durchaus aufbauen.

Passen die Bezeichnungen »Ökonom« und »Schwabe« an sich gut zusammen, so ist mein Leben doch von ziemlich vielen Widersprüchen geprägt, die ich im Nachhinein allerdings schätzen gelernt habe. Obwohl im hochkatholischen Oberschwaben ansässig, hatten meine Eltern für die Kirche nie mehr als Spott übrig – ich selbst habe mich aber in der Kirche engagiert und in einem katholischen Haus meinen Zivildienst abgeleistet. Obwohl dort ausschließlich mit sozialen Problemen konfrontiert, habe ich nach dem Zivildienst dann doch Wirtschaftswissenschaften studiert – Motto: Ohne Moos nix los. Dann hat mich das Studium aber so wenig befriedigt, dass ich mich wieder sozial engagiert habe: bei Amnesty International und in der Katholischen Hochschulgemeinde.

Nach dem Studium wurde das Joch der Widersprüche nicht leichter: Als promovierter Währungsexperte versuchte ich mein Glück beim Internationalen Währungsfonds. Als dieser meine Ökonomie-Künste zu Hungerkuren für die Dritte Welt nutzte, holten mich meine christlichen Ideale wieder ein. Feierlicher Ausstieg. Dann neuer Aufbruch – neuer Traum: freier Journalismus. Doch: Zunächst waren meine wirtschaftsethischen Kommentare nur am Heiligen Abend gefragt – das reichte für die Weihnachtsgans, aber nicht für eine dreiköpfige Familie. Deshalb ernährte ich mich von Bilanzpressekonferenzen und Hintergrundberichten. Erst ein jahrelang erstrittenes, deutliches Profil als Wirtschaftskritiker trennte unter meinen auftraggebenden Tageszeitungen und Rundfunkanstalten die Spreu vom Weizen, nach dem Motto: Viel Feind – viel Ehr’.

Viel Feind – viel Ehr’, das ist auch ein Stück Erfolgsrezept von Publik-Forum. Das war 1991 Grund genug für einen persönlichen und journalistischen Großversuch als Redakteur bei dieser Zeitung: nämlich wirtschaftliches Fachwissen mit christlichen Idealen in Einklang zu bringen.

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